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Ira

Ira's Blog

My favourite books and the books I write. And the daily life.

Die Bücher, die ich lese. Die Bücher, die aus meiner eigenen Feder stammen. Das tägliche Leben.

Stimmungsbilder

Social Media Hashtags: #schwalben #ww2 #coldbritannia #dasdeutschespiel #roman #politischerroman #deutschland #zeitgeschichte

 

Düster in "Schwalben" ...

 

 „Sie kommen jetzt mit!“, befahl der Oberarzt und umklammerte Fees Arm so fest, dass es sie schmerzte.

Vor dem Haus herrschte ein Durcheinander an Schwestern, Sanitätern, Ärzten und grauen Waffenröcken. Motoren von Lastwägen summten, Pferde scharrten unruhig auf dem Kies, Motorräder knatterten und Befehle übertönten einander. Sprühregen hüllte die konfuse Szenerie ein.

 Fee wandte sich um. Sie warf einen Blick auf die Esten zurück, auch auf den buckligen Stallknecht. Widerwillig ließ sie sich von ihrem Vorgesetzten zu dem grauen Lastwagen mit dem Roten Kreuz zerren. Sie trug zivile Kleidung, einen Rock und eine Bluse, darüber eine dunkelrote Strickjacke. Nein, sie hatte mit den Esten hierbleiben wollen.

 Über dem See stiegen schwarze Wolken auf. Brennende Geschütze oder Panzerfahrzeuge. Plötzlich kam lautes, aufgeregtes Geschrei aus der Richtung des Seeufers. Wagenräder rumpelten über Steine, Pferdehufe fegten im Galopp über den Kies. Die anderen Pferde tänzelten aufgebracht auf den Hinterhufen, wieherten, und die Soldaten hielten sie mit aller Kraft am Zaumzeug fest.

Fee erkannte Kalju, der plötzlich erschien. Er riss an den Zügeln und brachte sein Pferd zum Stehen. Hinter ihm rumpelte eine Lafette ohne Geschütz und blieb stehen. Er wischte sich über die Augen. Dabei verschmierte er die Spuren von Schlamm und Ruß. Der Morast klebte an seinen Stiefeln und an seiner Hose, wie auch an den Hufen und Flanken seines Pferdes.

„Komm, Fee!“, rief er ihr zu und streckte ihr die Hand entgegen.

Sie spürte, dass sich der feste Griff des Oberarztes löste und sie schritt Kalju entgegen. Auf der Veranda raunten sich der Bucklige und die beiden zurückgebliebenen Offiziere etwas zu. Fee warf ihren Koffer zu den Munitionskisten auf der Lafette. Kalju stieg für sie ab, um ihr in den Sattel zu helfen. Als er wieder aufgestiegen war, führte er das Pferd zwischen die Deutschen und seine ihm verbliebenen Drei.

„Ich komme vom entsetzlichsten Ort, den ich jemals gesehen habe“, rief er auf Estnisch. „Seht her, das ist alles, was von meinem Regiment übriggeblieben ist. Wenn man uns veraltete Haubitzen gibt und mit Pferden gegen die Russen reiten lässt, uns damit in die erste Reihe schickt – Nein, wir kämpfen weiter! Nicht auf dem offenen Feld, sondern aus dem Wald heraus!“

Einer der deutschen Offiziere eilte mit großen Schritten auf Kalju zu. Er stemmte die Hände in die Seiten und sah zu ihm auf.

„Was redest du da, du Esten-Tölpel?“, schrie er ihn an. „Sprich Deutsch! Kehr sofort mit deinen Leuten zurück und kämpfe gegen den Feind!“

Kalju spuckte zu den Stiefeln des Deutschen aus und warf abfällig den Kopf zur Seite.

„Kämpf doch du, Saks!“, entgegnete er. „Ab in die erste Reihe mit euch! Verteidigt doch euer Reich, los!“

„Lassen Sie ihn!“, rief ein anderer Wehrmachtsoffizier aus der offenen Tür des Kübels. „Und steigen Sie ein.“

Missmutig wandte er sich von Kalju ab und stieg ein. Mit einem Schlag warf er die Türe zu. Der Motor sprang an. Kalju wandte sich zu den Esten auf der Veranda um und forderte sie auf: „Was ist mit euch? Kommt ihr mit?“

Sie zögerten nicht. Auch der Bucklige lief hinterher.

„Für ein freies Estland, Hauptmann!“, rief er und zwängte sich mit auf die Lafette.

Kalju nickte, nahm die Zügel in die Hand, mit der er Fee sicher umfasste und hob die Rechte.

„Los!“, befahl er.

Er gab seinem Pferd die Hacken und ritt an den Deutschen vorbei. Die Hufe setzten sich über die Pfützen in der Straße hinweg, die Räder holperten darüber. Und irgendwo beugten sich schützend die dichten Äste der Fichten und Föhren, das Blätterdach der Birken und Eichen über die Straße. Sie gabelte in den Wald, und er kannte die Wälder, wie er das Meer kannte.

 

 

 

(Schwalben, 2013; 2014)

 

... Herzschmerz in "Cold Britannia"

 

Über der Gartenmauer breitete sich eine weitere Hochsommernacht aus. James saß am Kopfende gelehnt und streichelte Hesters Schultern, während ihr Kopf auf seiner Brust lag.

         Die Anspannung seiner Gliedmaßen bedeutete, dass er sie bald verließ. Sie wusste es. Schweigend nahm sie seine Berührungen wahr, und doch nicht wirklich auf. Sie dachte an Caitlin. Ihr Körper verstrickte sich im Kampf des Verstands.

         James hörte auf, Hesters Schultern zu streicheln. Er sah sie an. Was konnte er ändern? Langsam stand er auf und zog sich an. Sie richtete sich auf und rang gegen ihre Traurigkeit. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie wandte sich ab, dass er ihr nicht einmal in der Dunkelheit ihres Zimmers ansah, wie sie sich fühlte. Sie schnürte den Gürtel ihres Morgenmantels enger.

         „Ich geh nicht gern“, sagte er und rang mit sich selbst. „Ich weiß, me Love … Ich hatte gedacht, der Streik wäre bis zum Sommer vorbei, und darum habe ich den Urlaub mit Caitlin und den Kindern gebucht. Du wirst mir zwei Wochen lang den Rücken frei halten, weil ich mich auf dich verlassen kann. Du hast das Zeug zu einer Anführerin, weißt du das? Dir könnte ich den Ortsverband Sherthorpe in die Hände legen.“

         Er schmeichelte ihr, und verabreichte ihr dabei etwas Bitteres. Hester folgte ihm die Treppen hinunter. Sie verstrickte sich immer mehr und kämpfte erbitterter.

         „Du fährst noch mit ihr in den Urlaub?“, entgegnete sie und versuchte, leise zu sprechen.

         Er schlüpfte in seine Schuhe.

         „Ich habe gesagt, dass ich schon vor Monaten gebucht habe“, erklärte er. „Wie konnte ich damals ahnen, dass wir jemals zusammen sein werden? Beruhig dich. Es ist nur den Kindern zuliebe. Mit Caitlin ist schon lange nichts mehr.“

         Hester ertrug es nicht länger. Je mehr sie gegen ihre Tränen ankämpfte, umso heftiger schüttelte sie sich. James war ratlos. Sie so zu erleben, überforderte ihn. Er streckte die Hand nach ihr aus, doch sie wich zurück.

         „Ich will keine Geliebte sein“, sagte sie.

         Lieber gar nichts.

         „Dafür habe ich nicht meinen Kopf für dich hingehalten“, legte sie nach.

Seine Hand lag auf der Türklinke. Er schwieg, zog die Tür auf und stand auf der Schwelle.

         „Jim“, rief sie ihn leise, und er drehte sich nach ihr um. „Ich weiß aber, dass ich für dich bestimmt bin.“

 

Do I stand in your way, or am I the best thing you have? Der Luftballon schrumpfte zusammen und hing in einer Ecke von Hesters Zimmer fest.

         No promises, no demands. Both of us knowing: Love is a battlefield.  

 

 

 

(Cold Britannia, 2014;2015)

 

 

 

... großes Kino in "Das deutsche Spiel" ...

 

 

Arne erwiderte Gesas Berührung. „Ich weiß, was du mir sagen willst.“

„Nicht wahr?“, entgegnete sie. „Du kehrst zu ihnen zurück, zu den Genossen an der Basis. Zeig dich in deiner besten Form.“

„Ich bin darauf vorbereitet. So, wie es die Situation erfordert.“

Sie nahm dieses Grinsen auf seinen Lippen wahr. So weiß, so groß, so blendend – wie der Schnee. Seine Augen wurden schmal, als sie den Block der Messehalle ausmachten. Es schien ihr, als leuchtete das Rot der Parteifahnen umso greller, je eisiger und abweisender der Himmel wirkte.

Der A8 hielt vor der Halle. Sie erwarteten ihn mit ihren Kameras und Mikrofonen, mit ihren neugierigen, kalten Augen.

Arne klappte die Deckel der Mappe zu, ließ die Rede darin verschwinden. Bevor er ausstieg, reichte er sie Gesa.

Der Stoff der Fahnen säuselte im Wind. So wie sie spürte er diesen scharfen Wind in seinem Gesicht. Schneestaub zu seinen Füßen. Arne winkte den Journalisten und setzte für sie ein anderes Lächeln auf.

Sie sollen nicht behaupten, er könne nicht mit Frauen, dachte Gesa. Er öffnete ihr die Hintertür und half ihr beim Aussteigen. Sie fühlte den schneidenden Wind sofort, da sie nur das dunkelblaue Kostüm trug. Den Mantel brauchte sie für die wenigen Schritte nicht. Allerdings spürte sie den Schneestaub und die Kälte an ihren Füßen. Mit der einen Hand drückte Gesa die Mappe an sich, die andere legte sie in seine Armbeuge. Ihr Lächeln für die Kameras erwärmte wohl auch unterkühlte Herzen in diesem unterkühlten Land. Sie spielte mit der Rolle der neuen Mutter dieses Landes.

Die Kamerablitze folgten ihnen ins Plenum des Parteitags. Die Scheinwerfer ließen das Podium leuchten wie die Morgenröte. Gesa reichte ihm die Rede. Gerhard begrüßte Arne und Gesa. Jetzt bedeutete ihr Lächeln Distanz.

„Komm mit“, sagte Gerhard zu ihr.

Du, wie unter Genossen üblich. Sie strich ihrem Mann ermutigend über die Wange. Dann blieb sie stehen und beobachtete, wie sich Reihen von Delegierten für Arne erhoben. Er ging zum Podium. Der Applaus raste wie ein Sturm. Vera und Mathias klatschten mit. Beide schienen mehr als zufrieden. Julian saß mit dem Laptop auf dem Schoß neben Arnes Mitarbeiter. Sie warteten wohl auf die ersten Bilder, die sie auf die Facebook-Seite stellen würden.

Gesa setzte sich auf einen der Gästeplätze in der ersten Reihe und verstaute die Handtasche unter dem Stuhl. Sie befand sich in der Gesellschaft zweier ehemaliger Kanzler, des Alten und des Niedersachsen. Der Alte umfasste Arnes Hände und der Niedersachse drückte ihn. Erneut brach das Blitzlichtgewitter los. Funkelnd und irritierend. Gerhard verzog den Mund zu einem Lächeln. Er erduldet das Tosen eines Beifalls, der nicht ihm gilt.

Nun betrat Arne zusammen mit Gerhard das Podium. Stehende Ovationen des gesamten Vorstands. Gesa entging nichts von dem, was sich dort oben abspielte. Arne holte Luft. Sie liebten ihn doch. Gerhard applaudierte ihm und lachte zufrieden.

        „Nach mir bist du dran“, sagte Gerhard zu Arne. Gesa las die Worte von seinen Lippen ab.

Während der Rede des Vorsitzenden stiegen die Erwartungen. Gesa spürte das und presste die Handflächen aneinander. Ihr Blick flog zu Arne. Er fing ihn auf. Ihr Mund deutete an: Ich bin bei dir.

Der Beifall für den Vorsitzenden endete. Ein Name wurde angekündigt: Arne Steenborg, der Kanzlerkandidat. Er stand auf.

Es geht los, dachte Gesa.

Wieder Applaus, lauter und länger. Er brandete auf wie eine Welle. Arne wartete, bis sich diese Welle überschlug und auslief. Dann nahm er sein Manuskript und ging zum Pult.

„Es gibt eine Sehnsucht in unserer Gesellschaft.“ Seine Stimme packte diese Sehnsüchte warm ein. Über das Podium reichte er den Delegierten die Hand. Gesa wusste, warum er das tat und was er dachte: Versöhnt euch mit mir. Nehmt mich beim Wort. Nehmt mich und lasst mich nie wieder allein.

 

 

 

 

 

 

 

(Das deutsche Spiel, 2017)

 

 

 

Leser, Blogger und Kollegen fragen mich immer wieder, wie es mir gelingt, durch genannte Beispiele Stimmungen  heraufzubeschwören. Diese seien das Besondere in meinen Romanen. Richtig, sie leben von bunten Farben, fröhlichen Bildern, haben aber auch einen Hang zum Beklemmenden und Düsteren.

 

Wie aus dem Lehrbuch lässt sich die Frage nicht beantworten und eine Anleitung "wie erschaffe ich die richtige Atmosphäre in einer Szene" gibt es auch nicht nach Schema F. Ich habe auch kein Geheimrezept, außer: Geht hinaus, öffnet eure Sinne und nehmt auf, was euch die Welt anbietet. Dann versucht, die Bilder, die vor euch beim Schreiben aufploppen, in Worte zu fassen.

 

Vielleicht lässt sich mein Hang, aus Kleinigkeiten oder vermeintlich Nebensächlichkeiten eine große Kulisse zu schaffen, damit erklären, dass ich immer sehr sensibel war. Sensibel in dem Sinn, dass ich Geräusche, Gerüche, Farben, Menschen und Ereignisse intensiver aufnehme als die meisten Leute. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, spielte die meiste Zeit draußen; Flussauen, Seen, Wiesen und Wälder gehörten zum Alltag dazu genauso wie die Kühe, die abends von der Weide über die Dorfstraße getrieben wurden. Das waren meine Blockbuster.

Später kam ich viel in der Welt herum, Städte, Länder, Gegenden hielten besondere Schätze bereit. Auch in Geschichtsbüchern und den Fernsehnachrichten stieß ich auf Anregungen für meine Themen.

Ich hatte immer eine sehr starke Vorstellungskraft, nicht immer zur Freude meiner Eltern und Lehrer. Auch mit vermeintlichen Gegebenheiten fand und finde ich mich niemals ab, ich befasste mich mit Themen, die an den meisten vorbeigingen. Manchmal ist es inspirierender, weit unter der Oberfläche zu kratzen. So musste es wohl sein, dass ich zum Schreiben als meine Art des Ausdrucks kam.

 

Neugierde und der Antrieb, stets das Beste geben zu wollen, sind eine Grundvoraussetzung für lebendige Geschichten und ihre Protagonisten. Es ist keine Zauberei, wenn eine Bindung zu den Figuren besteht, oder eine/einer zum Liebling wird, und ich sie/ihn in eine sehr lebendige Umgebung einbinde. Die Inspiration aus der Natur und selbst aus Alltäglichem, vermeintlich Belanglosen schafft wunderbare Bühnenbilder, Kulissen, vor denen sie agieren. Traut euch, versucht in Worte zu fassen, was euch berührt und bewegt und hört nie auf, eure Welten zu schaffen. 

Wahlkampf – Intrigen – Medien – Abgründe: "Das deutsche Spiel"

Nach längerer Abstinenz auf Booklikes melde ich mich mit meinem Neuen zurück, dem Politroman "Das deutsche Spiel". Wahlkampf in Deutschland ist immer ein besonderes Ereignis, die einen mögen sagen: "Langweilig!" Das Rennen ums Kanzleramt im "Spiel" ist es jedenfalls nicht.

 

Leserstimmen: "Ein brutales Wahlkampf-Tagebuch" - "Ein sehr guter Politik-Thriller, wobei der Schwerpunkt eher auf Politik als auf Thriller liegt" - "Ira Ebner versteht es mit Gefühlen zu spielen - mit denen ihrer Leser und ihrer Protagonisten"

 

Klappentext:

Als Arne Steenborg Kanzlerkandidat wird, erklärt er Großbanken, Steuerflüchtlingen und Spekulanten den Krieg. Mit dem Versprechen, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen, zieht er in den Wahlkampf. Seine direkte, manchmal impulsive Art beschert ihm auch in den eigenen Reihen nicht nur Freunde. Mächtige Gegner stellen sich ihm in den Weg, allen voran Albert Morsbach, Vorstandsvorsitzender der größten deutschen Bank.

Bald beginnt eine schmutzige Medienkampagne gegen Steenborg und seine Frau Gesa. Der Kandidat gerät in ein Netz aus Intrigen und Manipulationen. Morsbach scheut vor nichts zurück, um ihn zu Fall zu bringen. Welche Rolle spielt die betörende Judith, die als Praktikantin in der Wahlkampfzentrale eingestellt wird? Wer hält am Ende noch zu Steenborg? Wem kann er trauen? Hat er eine Chance im Kampf gegen das Establishment?

 

Das Buch ist in allen Online-Shops und im Handel erhältlich; auf Wunsch signiert direkt von der Autorin.

 

 

— feeling smile
Cold Britannia Release
Cold Britannia Release

Das alte Jahr hat meinem neuen Buch 5 Sterne vorausgeschickt. Ich bin stolz, euch Cold Britannia zu präsentieren.

It's Christmas Time ... Leseprobe Cold Britannia #3

Ab heute kann "Cold Britannia" bestellt werden. Um eure Neugier zu wecken, gebe ich euch das letzte Snippet zu lesen.

Jahreswechsel 1984/85 vor dem Zechentor.Durch den fast schon 10 Monate andauernden Streik sind die Bergarbeiterfamilien in Not geraten. Selbst der traditionelle Truthahn am Weihnachtstag wirkt wie ein Luxus. Trotzdem sind sie bereit, weiter durchzuhalten und um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen.Übrigens, ich habe noch eine Trivia zu dem wohl am meisten gespielten Weihnachtssong "Do They Know It's Christmas?" Richtig, er wurde von Band Aid eingespielt, um Spenden für die hungerleidende Bevölkerung in Biafra zu sammeln. Allerdings sollte in Großbritannien mit der Aktion und dem Fokus auf den Hunger in Afrika von der Not im eigenen Land abgelenkt werden.

 

 

Hester verbrachte den letzten Abend des Jahres vor dem Zechentor. Sie saß neben James im Escort. Der Lamettabaum leuchtete bunt. James stieg aus und stellte sich zu den Streikposten.

„Unser Vorsitzender“, empfingen sie ihn und applaudierten.

Der Applaus, wie Hester hörte, kam von weniger Händen. So viele wie früher standen nicht mehr vor dem Tor. In der sicheren Entfernung hinter blinkenden Absperrungen vertraten sich Polizisten die Füße. Unheimliche gelbe Augen, die in die Kälte hineinfunkelten. Hester öffnete die Beifahrertür. Die Kirchenglocken läuteten. Mitternacht.

„Ein gutes Neues Jahr“, wünschten die Kumpels einander, und auch James.

Sie kam zu ihm. Über ihr leuchteten die Sterne. Der Frost hauchte die Scheiben an. Der Lamettabaum flimmerte und die Absperrungen blinkten. Das Feuer in den Tonnen leuchtete Gesichter aus. Da stand ihr Vater.

„Wie geht’s?“

Hester holte Atem. Und auch nicht, denn das beklemmende Gefühl, was sie vom letzten Glockenschlag an erwartete, steckte in ihrem Hals fest. 1985 lag vor ihr, um bedrohlich aus der Schwärze vor ihr aufzustehen. Sie blickte noch einmal auf ihr 1984 zurück. Dieses Jahr würde sie gewiss in Erinnerung behalten, ging es nicht nur um ihr Schicksal, sondern um den Wendepunkt in einer langen Geschichte eines alten Landes. 


... 

 

Bald könnt ihr selbst weiterlesen!

 

 

Wenn Menschlichkeit zu Kälte wird, Recht zu Unrecht und der Staat zum Feind …

Als im Frühjahr 1984 die britische Regierung die landesweite Schließung der Kohlebergwerke bekannt gibt, ruft die Gewerkschaft zum Streik auf. Auch die Kumpels der „Umbrage“-Zeche in Nordengland legen die Arbeit nieder und folgen ihrem Anführer James Thornton, genannt Red Jim. In seinen eigenen Reihen gibt es Verrat und Abtrünnige, die seinen Kampf für die Bergleute erschweren. Mehr als eine Verbündete in der gemeinsamen Sache ist ihm die eigensinnige Hester.

Mit der Journalistin Phyllis Bundle und dem Wirtschaftsboss Alan Delaney hat James einflussreiche Feinde.

Bald kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht und der Streik wird zu einem langandauernden Konflikt, der das Land spaltet und den nur eine Seite gewinnen kann.

"
Nur noch ein Monat, bis "Cold Britannia" an den Start geht. Der Roman über den Britischen Bergarbeiterstreik 1984/85. Ein Hauch von 80er-Retro, Gefühlsturbulenzen und große Szenen, die in die Geschichte eingingen.

Hier stelle ich euch die zweite Leseprobe aus "Cold Britannia" vor. Wir befinden uns im Juni 1984 und die "Battle of Orgreave" ist in vollem Gang."

Heute in genau einem Monat ist Erscheinungstermin! Ihr kennt den ersten Snippet. Der Streik beginnt und die Regierung rüstet sich mit Polizei und Sondereinheiten gegen die Kumpels. Wirtschaft und Medien fahren ebenfalls scharfe Geschütze gegen die Gewerkschaft und die Streikenden auf. Die Regierung lässt Kohle aus dem Ausland (auch aus dem damals kommunistischen Polen) importieren.

Ein Höhepunkt ist die Besetzung der Kokerei Orgreave, wo die importierte Kohle ankommt. Es ist ein heißer Tag im Juni 1984. Ich erzähle die gesamte Szene aus der Perspektive von Phyllis und Christopher auf der einen Seite, sowie Hester und James auf der anderen. Hier ein Ausschnitt - komplett ab dem 01. Januar.

 

  Die Berittenen trieben die ersten Reihen auseinander. Hester hörte, wie Knüppel gegen Knochen prallten. Staub wirbelte auf. Sie suchte James‘ Hand, und gleichzeitig fasste sie ihren ganzen Mut zusammen. Schultern und Ellenbogen stießen sie, und sie schaltete wie auf ein anderes Programm um. Die Hubschrauber, die Sirenen, das Gebrüll, es zog an ihr vorbei. Lange Stöcke, Kinnriemen, schwarze Monturen, Handschuhe, Schilder. Ein Ziegelstein flog. Milchflaschen zerbarsten auf Schildern. Brocken und Scherben zu Hesters Füßen. Sie wünschte sich, sie hätte ihre Stiefel angezogen. Wegen der Hitze hatte sie es nicht getan.

James versuchte, sie mit seinem Körper zu schützen, als jetzt auch die Schlägertrupps Reihe für Reihe auseinandertrieben. Ein Mann riss Hester beinahe mit, als er unter den Knüppeln zu Boden sank. Er pinkelte in die Hose. James fing Hester auf und drückte sie fest an sich. Er bückte sich, hob die Splitter eines Ziegelsteins auf und steckte sie ein. Hester spürte einen Schubs in ihrem Rücken. Sie drehte sich um. Vor ihr hob jemand den Knüppel. Die Zeit hielt an. Hester wollte rennen, doch ihre Beine bewegten sich nicht. Er zögerte, senkte den Arm und wandte sich ab. Ein dumpfer Schlag, einer von vielen, die nächsten Salven. Irgendwo klirrte eine Fensterscheibe.

Pferde wieherten und bäumten sich auf. Ihre Reiter bändigten sie und zogen an den Zügeln. Schaum lief den Pferden aus den Mäulern und spritzte umher. Das Hufgetrappel kam näher. Hunde bellten. Männer schrien, strauchelten, gerieten unter die Hufe. James griff in die Tasche und warf die Ziegelbrocken auf die Reiter.

„Jetzt lauf so schnell du kannst!“, rief er Hester zu.

...

 
 

Wenn Menschlichkeit zu Kälte wird, Recht zu Unrecht und der Staat zum Feind …

Als im Frühjahr 1984 die britische Regierung die landesweite Schließung der Kohlebergwerke bekannt gibt, ruft die Gewerkschaft zum Streik auf. Auch die Kumpels der „Umbrage“-Zeche in Nordengland legen die Arbeit nieder und folgen ihrem Anführer James Thornton, genannt Red Jim. In seinen eigenen Reihen gibt es Verrat und Abtrünnige, die seinen Kampf für die Bergleute erschweren. Mehr als eine Verbündete in der gemeinsamen Sache ist ihm die eigensinnige Hester.

Mit der Journalistin Phyllis Bundle und dem Wirtschaftsboss Alan Delaney hat James einflussreiche Feinde.

Bald kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht und der Streik wird zu einem langandauernden Konflikt, der das Land spaltet und den nur eine Seite gewinnen kann.

 

 

Source: http://iraebner.blogspot.de/2015/12/die-battle-of-orgreave-leseprobe-2-cold.html
Wenn Menschlichkeit zu Kälte wird, Recht zu Unrecht und der Staat zum Feind …
Wenn Menschlichkeit zu Kälte wird, Recht zu Unrecht und der Staat zum Feind …

01.01.2016: Cold Britannia heizt dem Winter ein

 

Am 01. Januar 2016 kommt mein neuer Roman Cold Britannia in den Handel. Kurz, worum geht es?

 

Wenn Menschlichkeit zu Kälte wird, Recht zu Unrecht und der Staat zum Feind …
Als im Frühjahr 1984 die britische Regierung die landesweite Schließung der Kohlebergwerke bekannt gibt, ruft die Gewerkschaft zum Streik auf. Auch die Kumpels der „Umbrage“-Zeche in Nordengland legen die Arbeit nieder und folgen ihrem Anführer James Thornton, genannt Red Jim. In seinen eigenen Reihen gibt es Verrat und Abtrünnige, die seinen Kampf für die Bergleute erschweren. Mehr als eine Verbündete in der gemeinsamen Sache ist ihm die eigensinnige Hester.
Mit der Journalistin Phyllis Bundle und dem Wirtschaftsboss Alan Delaney hat James ein-flussreiche Feinde.
Bald kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht und der Streik wird zu einem langandauernden Konflikt, der das Land spaltet und den nur eine Seite gewinnen kann.
Ein packender und aufwühlender Roman über Menschen, die zum Äußersten gehen. „Cold Britannia“ dürfte niemanden unberührt lassen.

Macht euch einen guten Vorsatz :)

Trivia zu "Cold Britannia"

Eines Tages - Die Zeitreise beginnt mit der ersten Leseprobe

Habe das Buch gerockt - Bald kommt "Cold Britannia"

Das Buch ist fertig, ich habe die Endabnahmedatei an meinen Verlag zurückgeschickt und das Cover ist auch gemacht. Ich kann kaum erwarten, den Erscheinungstermin zu erfahren und euch die guten Neuigkeiten weiterzugeben! Es erwartet euch ein spannender Roman, der euch nicht unberührt lassen dürfte.

Keep it Going on

Source: http://iraebner.blogspot.de

Plan 2015: Noch ein Buch rocken

Source: http://iraebner.blogspot.de

My task for 2015: Rocking another Damn Book!

Source: http://iraebner.blogspot.de

Wie das Leben so spielt, mal süß, mal sauer

Das ist die neueste Rezension auf meinem Blog. Das Buch ist sehr zu empfehlen.

Zwischen den Fronten

Schwalben - Ira Ebner

Heute will ich einen weiteren Auszug aus "Schwalben" vorstellen. Es geht um Feldpost in den russischen Winter, wo Fee erlebt, dass Leben und Tod nur einen Augenblick auseinanderliegen.

P.S. Das ist noch nicht alles. Später wird es noch richtig spannend.


Tallinn, 09. Dezember 1941

 

Liebe Fee,

 

es freut mich, wieder von Dir zu hören. Mein Vater hat mir Deinen Brief nach Tallinn geschickt, wo ich mit meiner Einheit stationiert bin. Meine Einheit und auch ich unterstehen dem deutschen Kommando, wir sind Verbündete.

 

Die Russen sind nun aus Estland verschwunden und sie haben unsere Städte und Dörfer verwüstet und viele unserer Leute verschleppt und umgebracht. Wenn ich Dir berichte, wie Janeda heute aussieht, wird es Dich erschrecken. Dein Elternhaus steht noch, aber ich war bei meinem letzten Besuch kurz nach meiner Ankunft nicht selbst dort, sondern habe es nur aus der Ferne gesehen und kann Dir auch nicht viel über den weiteren Zustand berichten. Aber die Kirche hat keinen Turm mehr und sie wurde aufgebrochen und alles, was einen Wert hatte, wurde gestohlen. Und das, obwohl die kleine Pfarrei nie reich war, oder Schätze besessen hatte. Die Russen haben den Pastor mitgenommen, und niemand weiß, was aus ihm geworden ist. Ich fürchte, er lebt nicht mehr. Wie Du Dir vorstellen kannst, ist hier der Hass auf die Russen und auch ihre Unterstützer sehr groß, und man tut alles, um diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die entweder für diesen Verrat verantwortlich oder daran beteiligt waren.

 

Du und ich sind das Stück eines Weges gegangen, das uns für eine gewisse Zeit bestimmt war. Mein Weg fordert mich genauso wie Dich Deiner fordert. Jeder von uns muss ihn nun fortsetzen.

 

Liebe Grüße

Kalju

 

Die letzten Zeilen ernüchterten Fee mehr als der Zustand ihres Dorfes. Sie las viele Bedeutungen in sie hinein, die sie sich zurechtbiegen und glauben machen wollte, aber auch etwas Endgültiges. Das Endgültige setzte sich langsam und schwer wie ein Stein. Wenn es auch so klang, als läge ein Vielleicht in diesen beiden Wegen, so begann sie zu begreifen, dass keine Gabelung, kein Überqueren einer Wiese dazwischen lag, was Aber oder Wenn heißen konnte. Er war ihr auf seinem Weg bereits zu weit voraus. Der Schnee hatte die Inseln des Monds tief unter sich begraben. Sie zerriss den Brief und warf die Fetzen in den Ofen.

 

Nach Weihnachten trafen Pakete aus der Heimat ein. Auch die Quints hatten für ihre Tochter einiges zugeschickt, was sie lange Zeit nicht mehr gegessen hatte, und vor allem, warme Unterwäsche und Seife. An der Front kehrte die Normalität zurück. An einem klaren Wintermorgen, der einen blauen Himmel zauberte, als sei die Welt mit sich im Reinen, hackte Fee das Brennholz. Sie beobachtete die beiden Soldaten, die als Wachtposten abkommandiert worden waren, das Kinn bis in ihre Krägen hinein vor der Kälte eingruben und durch den Schnee stapften.

 Später hielt sie die beiden in einem Bild fest, umgeben von Fichten, deren Äste sich unter der weißen Last hinab bogen und umkreist von Krähen. Sie saß beim Frühstück mit den Sanitätern und Schwestern ihres Korps an einem blanken Holztisch, um das Kommissbrot mit Leberwurst aus der Dose und Pflaumenmus aus Weckgläsern zum rationierten Zichorienkaffee zu nehmen. Nebenan frühstückten die Soldaten, die auf ihren Tagesbefehl warteten. Während sie ihre Brotscheibe mit Wurst bestrich, hörte sie die Stimme eines kurzsichtigen Sachsen.

„Kiek mohl, da hab ich ’ne Pflaume!“, rief er belustigt.

Sie sah zum Tisch herüber. Der Soldat hielt eine tote Maus kopfüber am Schwanz. Ein dicker Tropfen Mus rann über den Mausekopf und fiel auf die Tischplatte.

 

Um die Anhöhe hinter dem Wald tobten neue Gefechte. Sowjetisches Sperrfeuer peitschte zwischen schwarzweißen Birkenstämmen. Fee, die sich mit dem Feldarzt und einigen Sanitätern zwischen den eisstarren Büschen und Ranken zu den Verwundeten durchschlug, suchte immer wieder Deckung hinter den Birken und Fichten. Ihr weißer Tarnanzug sollte ihr im Schnee Sicherheit geben. Sie rannte, die Griffe einer Bahre hinter sich hertragend, voraus. So schnell sie eben konnte, wenn der unebene Waldboden und die unterschiedliche Höhe des Schnees Aufmerksamkeit und Geschick abverlangten.

Sie sank ein, ihr Knie gab nach, und sie zog das Bein wieder heraus, um ihren Weg geradewegs zur Kampflinie fortzusetzen. Der Stahlhelm drückte mit seinem Gewicht auf ihren Kopf, und außerdem verrutschte er immer wieder, weil er zu groß für sie war. Wieder prasselte eine Maschinengewehrsalve in den Wald hinein, pfeifend schlugen die Kugeln an den Stämmen vorbei, prallten ab und schlugen quer.

Sie gab ein Zeichen mit der Hand an ihren Hintermann und warf sich flach auf den Boden. Die Deutschen, die versuchten, die Anhöhe zu halten, erwiderten mit einer Granate. Fee spürte die Erschütterung durch den Boden, auf dem sie lag, obwohl sie gut hundert Meter weiter abgefeuert worden war.

„In Deckung bleiben!“, rief der Arzt. „Quint, was sehen Sie mit Ihrem Feldstecher?“

Sie nestelte unter ihrer Brust nach dem Feldstecher, zog ihn heraus und spähte zur Anhöhe. Sie sah die Soldaten an den Geschützen, sie luden eines nach, das andere feuerte gerade eine weitere Granate ab. Der Schnee tränkte sich unter einem Soldaten rot. Er lag mit ausgerenkten Gliedern an der Böschung, eine aufgetürmte Schneewehe hielt ihn zurück, dass er den Hang nicht herabrollte. Die Detonationen hatten die gefrorene schwarze Erde aufgeworfen. Ein anderer, der ebenfalls am Boden lag, sein Gewehr weit neben sich, bewegte sich noch. Es kam ihr vor, als versuchte er sich irgendwie vorwärts zu bewegen, was er aber nicht schaffte.

„Zahlreiche Verwundete“, antwortete sie und reichte dem Arzt den Feldstecher weiter.

Sie spürte vor Kälte ihre Fingerspitzen kaum noch und ihre Zehen schienen im Inneren der Stiefel festgefroren zu sein.

„Wir müssen zu ihnen vordringen“, sagte der Arzt. „Vor allem, dass uns keine russische Kugel trifft.“

Er gab ihr den Feldstecher zurück und nickte ihr zu. Los. Er hob die Hand. Die russischen Kugeln und Granaten machten ihr keine Angst. Sie sah sich an einem Punkt in ihrem jungen Leben, an dem sie es als gelebt betrachtete und ihm jeden Sinn absprach. Auf das Zeichen des Arztes hin hob sie die Griffe der Bahre an und preschte weiter durch den Schnee, bis sie den Fuß der Anhöhe erreichte.

Sie nahm die weiße Fahne von ihrem Hintermann entgegen, stieg an den Toten und den Verletzten vorbei, keuchte atemlos vor Anstrengung und der eisigen Luft, und erreichte die Kuppe.

Ne strjeljaitje!“, schrie sie und schwenkte die Fahnen. „Nicht schießen!“

Source: http://iraebner.blogspot.de/2014/07/zwischen-den-fronten.html

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